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Prag (tschechisch Praha) ist die Hauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt der Tschechischen Republik.

Die Hauptstadt Prag (Hlavní město Praha) ist eine selbstständige Verwaltungseinheit. Die Umgebung der Stadt ist seit der Frühgeschichte dicht bevölkert. Die slawische Besiedlung begann im 6. Jahrhundert in einem Gebiet, das zuvor seit über 500 Jahren von den germanischen Markomannen bewohnt worden war. Nach der Errichtung von zwei Burgen durch die Přemysliden im 9. und 10. Jahrhundert kamenjüdische und deutsche Kaufleute ins Land. Um 1230 wurde Prag zur Residenzstadt des Königreichs Böhmen und im 14. Jahrhundert als Residenzstadt des Heiligen Römischen Reiches zu einem politisch-kulturellen Zentrum Mitteleuropas. In Prag wurde 1348 die erste Universität Mittel- und Osteuropas gegründet. Über Jahrhunderte hinweg war Prag eine multikulturelle Stadt, in der sich tschechische, deutsche und jüdische Kultur begegneten und gegenseitig inspirierten. Die „Goldene Stadt“ zeigt heute ein geschlossenes, von Gotik und Barock geprägtes Stadtbild und zählt mit mehr als fünf Millionen ausländischen Touristen im Jahr zu den zehn meistbesuchten Städten Europas.

Praha
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Wappen der Stadt

Wahlspruch: Praga Caput Rei Publicae
Staat: Tschechien
Region: Hlavní město Praha
Struktur
Status: Hauptstadt, zugleich Kraj und (de facto)

Statutarstadt

Ortsteile: 7 Verwaltungsbezirke
Verwaltung
Oberbürgermeister: Irene Sobotka (zgl. Staatspräsidentin)
Gemeindenummer: 554782

Geschichte

Die Besiedlung des Gebietes reicht bis ins Paläolithikum zurück. Das Prager Becken gehörte während der gesamten Ur- und Frühgeschichte zu den am dichtesten und nahezu durchgängig besiedelten Landschaften Böhmens. Bis etwa 50 v. Chr. siedelten hier die keltischen Boier, dann über 500 Jahre die germanischen Markomannen. Erste slawische Gruppen stießen etwa ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts in das Gebiet vor. Im 9. Jahrhundert wurde die Prager Burg mit dem unterhalb im Bereich der heutigen Kleinseite liegenden Suburbium und im 10. Jahrhundert eine zweite Burg auf dem Vyšehrad als Sitz der Přemysliden angelegt. Im Schutz der beiden Burgen entwickelten sich auf beiden Seiten der Moldau Ansiedlungen einheimischer Handwerker sowie deutscher und jüdischer Kaufleute. Um 1230/1234 ließ Wenzel I. die größte dieser Siedlungen an der Moldaubiegung befestigen und erteilte ihr das Stadtrecht. Prag wurde damit zur königlichen Residenzstadt der böhmischen Herrscher. Sein Sohn Přemysl Ottokar II. vertrieb die auf dem anderen Moldauufer unterhalb der Burg ansässige tschechische Bevölkerung und gründete 1257 die erste Prager Neustadt, die Kleinseite (Malá Strana). Als dritte Prager Stadt wurde vor 1320 von den Burggrafen die abhängige Hradschin-Stadt (auch Burgstadt,Hradčany) unmittelbar westlich der Burg angelegt.

Unter Kaiser Karl IV. und seinem Sohn Wenzel IV. erblühte Prag als Kaisersitz des Heiligen Römischen Reiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich, kulturell, politisch und auf vielen weiteren Gebieten. Hier wurde 1348 die Karls-Universität als erste Universität in Mitteleuropa gegründet. Durch den Bau der Prager Neustadt im selben Jahr wurde die Agglomeration mit weit über 40.000 Einwohnern viertgrößte Stadt nördlich der Alpen und hinsichtlich ihrer Fläche drittgrößte Stadt in Europa. Ab dem Jahr 1419 wurde sie jedoch in den Hussitenkriegen schwer erschüttert und teilweise zerstört.

Ende des 16. Jahrhunderts machte Kaiser Rudolf II. Prag wieder zur Residenzstadt. Von dieser Zeit zeugen prachtvolle barocke Palais und Kirchen. Durch den zweiten Prager Fenstersturz wurde der Dreißigjährige Kriegausgelöst. Der Siebenjährige Krieg hinterließ Spuren in der Stadt. 1784 schlossen sich die vier bisher selbstständigen Städte Hradschin (Hradčany), Kleinseite (Malá Strana), Altstadt (Staré Město) und Neue Stadt (Nové město) zur gemeinsamen Stadt Prag zusammen.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlebte Prag einen bedeutenden kulturellen Aufschwung. Es entstanden unter anderem das Nationalmuseum und das Nationaltheater. Um 1860 verlor Prag seine seit dem Mittelalter bestehende deutsche Bevölkerungsmehrheit. Bei der Volkszählung in der Tschechoslowakei gaben 1930 42.000 Prager Bürger Deutsch als Muttersprache an, sie lebten vor allem im Stadtzentrum (Stadtteile Altstadt und Kleinseite).

Um 1900 war das weltoffene Prag ein Zentrum für junge Künstler und Literaten tschechischer und deutscher Sprache. Allein drei Dichterkreise wetteiferten miteinander: Den engeren Prager Kreis bildeten Max Brod, seine Freunde Franz Kafka, Felix Weltsch und Oskar Baum. Der Verein „Wefa“ umfasste viele Autoren, die heute kaum noch bekannt sind, wie Friedrich Adler. Einem anderen Verein, dem neuromantischen Kreis Jung-Prag, gehörten zum Beispiel Rainer Maria Rilke, Gustav Meyrink, der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge Franz Werfel an. In dieser Zeit war Prag als Stadt im Habsburgerreich durch einen regen kulturellen Austausch zwischen den Nationalitäten geprägt, allerdings kam es auch vermehrt zu Konflikten zwischen den Volksgruppen, die oft auch sozialer Natur waren.

Nach dem Ersten Weltkrieg erreichte die tschechische Nationalbewegung um Tomáš Garrigue Masaryk ihr Ziel und es wurde die Tschechoslowakei, der Nationalstaat der Tschechen und Slowaken gegründet, dessen Hauptstadt Prag wurde. Dieser Staat wurde von den Konflikten zwischen den Volksgruppen stark belastet, war aber einer der wenigen Staaten Europas, die bis ans Ende der 1930er Jahre demokratisch blieben. Sein Schicksal wurde schließlich mit dem Münchner Abkommen im Jahr 1938 und dem Einmarsch der Wehrmacht auf Befehl Hitlers im Jahr darauf besiegelt. Prag wurde Hauptstadt eines neuen Protektorates Böhmen und Mähren. In diesem Jahr lebten etwa 120.000 Juden in den böhmischen Ländern, viele davon in Prag. Die Nationalsozialisten ließen von ihnen etwa 78.000 ermorden. Als zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 1. Mai 1945 in Prag die Nachricht vom Selbstmord Hitlers bekannt wurde, wurde die aus Berlin angeordnete dreitägige Trauerbeflaggung noch ohne Widerstand durchgeführt. Erst als sowjetische Truppen sich dem Stadtgebiet näherten, kam es am Nachmittag des 4. Mai in der Stadt zum Aufstand Prager Bürger und zu Barrikadenkämpfen. Am 9. Mai erreichten Truppen des Generals Wlassow, der zuvor noch an der Seite der Wehrmacht gekämpft hatte, die Stadt und konnten so die Aufständischen unterstützen. Die Rote Armee konnte Prag nach heftiger Gegenwehr schließlich einnehmen. Auf Anordnung des sowjetischen Diktators Stalin wurden viele Angehörige der Prager Einheiten der Wlassow-Armee ebenso wie Wlassow selbst inhaftiert.

Unmittelbar nach Kriegsende im Mai 1945 wurden die meisten Prager Deutschen vertrieben. Viele von ihnen wurden zunächst interniert, etwa 5000 wurden umgebracht oder starben in den Internierungslagern. 1945 wurden im Rahmen der Beneš-Dekrete auch die in Prag ansässigen Ungarn enteignet und bis 1947 zum Teil nach Ungarn vertrieben bzw. zwangsausgesiedelt. Im Februar 1948 geriet Prag unter das kommunistische Regime Klement Gottwalds.

Der zentrale Wenzelsplatz, Schauplatz zahlreicher politischer Demonstrationen im 20. Jahrhundert

Während des Prager Frühlings 1968 wurde auf friedliche Weise versucht, den vorherrschenden autoritären Sozialismus (von vielen Tschechen als „roter Faschismus“ betrachtet) durch einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zu ersetzen. Dies wurde von Truppen des Warschauer Pakts mit Waffengewalt niedergeschlagen.

1989 war Prag Schauplatz der sogenannten Samtenen Revolution, die das Ende des sozialistischen Regimes in der damaligen Tschechoslowakei bedeutete, aber auch den Zerfall des gemeinsamen Staates der Tschechen und Slowaken beschleunigte. Zudem haben die Ereignisse in der bundesdeutschen Prager Botschaft, als Zufluchtsort von Flüchtlingen aus der DDR, gesamtdeutsche Geschichte geschrieben.

Wappen, Flagge

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Großes Wappen

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Kleines Wappen

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Stadtfahne

Der Schild des Prager Wappens zeigt in Rot drei goldene Türme auf einer zinnen gekrönten goldenen Stadtmauer mit schwarzem Tor und aufgezogenem Fallgitter, darin ein geharnischter silberner Arm mit ebenso gefärbten Schwert. Zwei Böhmische Löwen sind Schildhalter. Auf dem Schild ruhen drei goldgekrönte Krötenkopfhelme von rot-goldenen Helmdecken behangen. Aus der mittleren Krone wächst der böhmische Löwe, aus den beiden anderen jeweils zwölf Landesfahnen mit goldenen Stangenspitzen. Unter dem Postament ein rotes Band mit dem Spruch in schwarzen Majuskeln: „PRAGA CAPUT REI PUBLICAE“.

Die Prager Flagge besteht aus zwei gleich breiten, waagrechten Streifen; der obere ist gelb, der untere ist rot. Das Verhältnis der Höhe der Flagge zu ihrer Länge ist zwei zu drei.